Authentisch

Der Beginn der Erzählung von Carl Zuckmayer wirft ein Schlaglicht auf seine authentische Art zu schreiben:

 Meine Damen und Herren, ich werde heute abend überhaupt nichts vorlesen, denn was ich vorlesen kann, das ist schon gedruckt und steht in meinen Büchern. Ich werde Ihnen einfach ganz freiweg erzählen, wie mir ums Herz ist, wenn ich Salzburg wiedersehe, was mich mit Salzburg verbindet, und ich hoffe, daß auch das sozusagen eine Lesung aus meinen Werken ist, denn das Werk, das ist der Autor, und der Autor ist das Werk. Es gibt da gar keine Trennung. Diejenigen, die also sozusagen ihr Werk von sich selber trennen und persönlich was anderes sein können als was sie schreiben, sind mir fremd und unbekannt. Wenn ich etwas schreibe, so schreibe ich es deshalb, weil ich es empfinde und fühle. Ich schreibe es mit Mühe, ich schreibe es mit großer handwerklicher Arbeit. Ich schreibe es unter Umständen unter einem schweren Druck und unter einer großen Anstrengung, aber unter keinen Umständen schreibe ich irgend etwas, was ich nicht selber bin. Also lassen Sie mich versuchen, freiweg vor Ihnen zureden.

Carl Zuckmayer, Wiedersehen mit einer Stadt – Aus dem Stegreif erzählt imDezeber 1968

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Eine Antwort zu Authentisch

  1. wildgans schreibt:

    Das las ich so gern am sonnigen Vorfrühlingsmorgen! Eine gute Beschreibung des Schreibens – danke für diese Entdeckung!

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