Sonnengesang

Der Sonnengesang der hl. Franziskus von Assisi

 Du höchster, mächtigster und gütiger Herr,
dir gilt das Lob, die Herrlichkeit,
die Ehr‘ und jeder Segen.
All dies gebührt nur Dir, Du Allerhöchster,
kein Mensch ist auch nur würdig,
dich zu nennen.

Gelobt seist Du, Herr,
samt allen Deinen Werken,
doch in besonderem Maß durch Schwester Sonne.
Auf uns herab lässt Du sie täglich scheinen.
Wie schön ist sie; sie strahlt mit großem Glanze.
Vor Dir, o Höchster, hat sie ihren Sinn.

Gelobt seist Du, Herr,
auch wegen Mond und Sternen,
die glanzvoll, schön und kostbar Du geschaffen.

Gelobt seist Du, o Herr, durch Bruder Wind,
durch Lüfte, Wolken
und jedwedes Wetter
das die Geschöpfe Deiner Hand erhält.

Gelobt seist Du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
die nützlich-schlichte, köstliche und reine.

Auch Bruder Feuer lobe Dich, o Herr,
er leuchtet uns in nächtgem Dunkel;
lustig ist er und schön; kräftig und kühn.

Es lob‘ Dich unsere Mutter Erde, Herr,
die uns erhält und leitet.
Sie schenkt uns viele Früchte,
Kräuter, bunte Blumen.

Gelobt seist Du, o Herr, durch all‘ diejenigen,
die Dir zulieb‘ Verzeihung üben,
die Kranke und Bedrängte pflegen;

selig sind, die geduldig leiden,
denn Du wirst ihnen einst die Krone geben.

Gelobt seist Du, mein Herr,
durch unseren Bruder Tod,
dem kein Lebend’ger kann entrinnen:
Weh‘ denen, die in Todessünden sterben,
doch selig, die sich Deinem
heiligen Willen fügen:
Leicht ist ihr Tod und ohne jeden Schmerz.

Lobet und preiset meinen Hern, und danket
und dienet ihm in Demut ohn‘ Zagen.

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Franziskus (* 1181/82 in Assisi; † 3. Oktober 1226 in der Portiuncula-Kapelle unterhalb der Stadt) dichtete seinen Gesang auf die Schöpfung an seinem Lebensende, vermutlich Ende 1224 oder Anfang 1225, als er schwerkrank in San Damiano bei Assisi lag.

Er ruft darin den Menschen zum Lobpreis Gottes in all seinen Geschöpfen auf. Die Echtheit ist durch die Biografie des Thomas von Celano bezeugt. Er vergleicht das Lied mit dem Gesang der drei Jünglinge im Feuerofen (Dan 3,51). Celano berichtet, Franziskus habe das Lied in seiner Todesstunde von zweien seiner Brüder singen lassen.

Einige Quellen gehen davon aus, dass die ersten neun Strophen früher entstanden sind und die Friedensstrophe etwas später angefügt wurde. Die Todesstrophe sei von Franziskus erst kurz vor seinem Tod verfasst worden.

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Eine Fotoserie, die ich in den nächsten Wochen zeigen werde, soll den Zugang zum Text des Sonnengesangs erleichtern und zur Meditation anregen.

 

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10 Antworten zu Sonnengesang

  1. minibares schreibt:

    In der kleinen Kapelle waren wir damals, in der Unterstadt.
    Noch vor dem Erdbeben. Der Dom gefiel uns sehr.
    Und den Sonnengesang bekamen wir natürlich auch vorgebetet.

  2. Ilanah schreibt:

    Ein starker Text. Der passt zu ihm.

    Welche Strophe ist mit Friedensstrophe gemeint?

  3. mimesfotografie schreibt:

    Ich freu mich auf dieses Fotoprojekt. Hab ich auch schon mal gemacht.

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