Glaube im Alltag

Unsere lokale Tageszeitung hat jeden Samstag eine Rubrik mit der Überschrift „Glaube im Alltag“. Diese Rubrik wird von den beiden großen Kirchen verantwortet und von mehreren Autoren beliefert.

Heute liest man da folgenden Artikel:

glaube im alltag

Schreibe ich für „Glaube im Alltag“, so überlege ich: Was bewegt die Leute gerade? In der Adventszeit eine leichte Frage – so scheint es. Alle denken daran, dass es auf Weihnachten zugeht, und das bringt sie irgendwie in Bewegung.
So hatte ich meinen Artikel begonnen, als die Terrormeldung aus Paris kam. Und jetzt? Jetzt möchte ich erst recht über den Advent und unsere damit verbundenen Hoffnungen schreiben. In den Kirchen hören wir in diesen Tagen die Botschaft des Propheten Johannes: „Gottes Kommen steht bevor, Gottes neue Welt beginnt. Höchste Zeit, sich zu ändern. Kehrt um!“ Das Evangelium lehrt uns: „Was Johannes ankündigt, geschieht bereits. Gottes neue Welt bricht an in Jesus Christus, in dem, was er sagt und tut, wie er lebt. In ihm wird Gottes Menschenliebe sichtbar, erfahrbar.“ Das war vor 2000 Jahren. Und heute? Wo ist Gott heute? Warum greift er angesichts der Bedrohungen und Grausamkeiten in unsrer Welt nicht ein? Nein, ich will nicht in Hoffnungslosigkeit versinken. Trotz allem will ich an Weihnachten glauben, die Geburt Jesu, Gottes Kommen in unsre Welt feiern. Das aber hat, wenn wir es ernst nehmen, dieselben Konsequenzen wie zur Zeit des Johannes: Umkehr, Richtungswechsel, Neuanfang. Denn, so frage ich mich, sind wir nicht viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt, mit unsrem eigenen Wohlergehen, unsren Sorgen, mit unsrem kleinen Glück? In dem Maße, wie wir uns von dieser Fixierung auf uns selbst lösen und die Grundausrichtung unsres Lebens ändern, in dem Maße, wie wir uns anderen in Liebe und Güte zuwenden und unsre Lebenschancen mit Benachteiligten teilen, in dem Maße kann Gott in unsrer Welt ankommen. Dass wir das können, zeigt die Art, wie wir uns mit den Flüchtlingen solidarisieren, wie wir sie an die Hand nehmen und ihnen Hilfe und Heimat bei uns anbieten. Eine Welt, die dicht macht vor den Mitmenschen, ist auch für Gott verschlossen. Es liegt an uns, ob Gott in der Welt ankommen kann. Wir können ihm den Weg versperren. Wir können ihn aber auch öffnen. Rudolf Halffmann, Pfarrer i.R. Bernkastel-Kues

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2 Antworten zu Glaube im Alltag

  1. Ilanah schreibt:

    Ich glaube daran, dass Gott uns den freien Willen gegeben hat. Wir können selbst entscheiden wie wir handeln, was wir tun.
    Er wird nicht eingreifen, weil er unseren freien Willen respektiert.
    Und ich finde das gut, denn wir müssen selbst die Verantwortung für unser Handeln übernehmen, und nicht morden und andere schlimme Dinge begehen, um am Sonntag zu beichten, uns die Absolution abholen und dann so weiterleben wie zuvor.

  2. minibares schreibt:

    Ich glaube auch an Weihnachten.
    Der Schock von Paris sitzt noch, aber nicht mehr so tief.
    Also kann der Advent und Weihnachten kommen.

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