„Jetzt kann i jo gar nemma“

„Jetzt kann i  jo gar nemma“

Sie wusste genau, dass Besuch kommen sollte, saß schon eine ganze Weile vorher am Fenster und sah uns dann kommen. Aber als wir dann in der Tür standen, sagte unsere Großmutter eben jedes mal diesen Satz. (Jetzt kann ich ja gar nicht mehr)
Das war einfach der Ausdruck ihrer Freude darüber, dass sie uns endlich wieder sah. Und natürlich freuten wir uns auch immer sehr, wenn wir sie besuchen konnten, denn sie war eine wirklich liebe Oma.

Sie lebte im Haushalt der Familie meiner Tante Helene in einem Stuttgarter Stadtteil. Tante Helene war früher Kindergärtnerin gewesen, musste diesen Beruf aber aufgeben. Damals konnten verheiratete Frauen nicht im Kindergarten arbeiten.
Ich weiß nicht genau, ob sie schon aufhören musste, als sie heiratete oder erst ein wenig später als sie Mutter wurde. Jedenfalls war die Kindergartenzeit für sie dann vorbei. Aber, und das war wohl ein großes Entgegenkommen, sie durfte die Wohnung über dem Kindergarten behalten.

Ich habe vom Kindergartenbetrieb im Erdgeschoss eigentlich nichts mitbekommen, zumindest kann ich mich daran nicht erinnern. Wenn wir zu Kurzbesuchen da waren, war das Sonntags, und wenn ich dort Ferien verbringen durfte, war der Kindergartens sowieso geschlossen.

Ich kann mich allerdings gut erinnern, dass wir das Außengelände nutzen durften. Da gab es einen Sandkasten, in dem ich oft mit meinem Vetter Jürgen und meiner Cousine Bärbel spielte. Auch die Bäume auf dem Gelände waren ideale Klettermöglichkeiten. Da wurde dann ausprobiert, wer von uns am besten hoch kommt. Der Jürgen (fast gleich alt wie ich) hatte natürlich die besten Chancen, denn er kannte die Bäume sehr viel besser als ich, der ich halt nur ab und zu da war.

Es war immer eine schöne Zeit – auch wenn wir uns wie es unter Kindern üblich ist ab und zu heftig stritten. So erinnere ich mich zum Beispiel, wie die Bärbel mal beim Spiel im Sandkasten ihre Sandalen nach mir geworfen hat. (Wahrscheinlich hatte sie einen guten Grund dafür?) Aber alles in allem vertrugen wir uns doch sehr gut.

Samstags gings in das ein paar km entfernte Hohenheim. Dort gab es in der Landwirtschaftlichen Hochschule ein Wannenbad. Und da mein Onkel dort arbeitete, war es auch für uns möglich dort zu baden.
Danach gabs dann immer warmen Kakao und Hefezopf.

Und dann, wenn wir in den Betten lagen, betete die Tante Helene mit uns: „Müde bin ich geh zur Ruh…“

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Eine Antwort zu „Jetzt kann i jo gar nemma“

  1. minibares schreibt:

    … schließe meine Auglein.
    Eine schöne Erinnerung, lieber Werner.

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